Winfried, wie regelst Du Deine Nachfolge im Betrieb?

Es ist eins der großen Wirtschaftsthemen unserer Zeit - ganz besonders im Mittelstand: Unternehmen haben unter anderem wegen des nicht Loslassens der Firmeninhaber keine Zukunft. Das Lebenswerk des Firmenlenkers wird Stück für Stück abgebaut oder kurzfristig durch das Ableben des Inhabers geschlossen.

 

Angst vor dem Ungewissen

Es ist das emotionale Loslassen, die Konfrontation mit dem eigenen fortgeschrittenen Lebensalter und der in Aussicht stehenden möglichen Leere nach dem aktiven Unternehmerdasein. Diese Herausforderungen führen dazu, daß überlegte, zielorientierte, entscheidungsfreudige und gestandene Firmenlenker das Thema oft auf Morgen verschieben. Dadurch ist häufig keine vernüftige Lösung mehr möglich.

Winfried S., verantwortlicher Alleingesellschafter und Geschäftsführer für 57 Mitarbeiter eines sehr erfolgreichen Handwerkbetriebes im Rheinland, gesteht offen seine Angst und Sorge vor diesem Schritt. Seit ein paar Jahren meint der inzwischen 67-jährige Firmenlenker, bewege ihn das Thema und er stelle sich gelegentlich die Fragen:

• Wie sichere ich den Fortbestand meines Unternehmens?

• Wer führt mein Unternehmen weiter?

• Wer sichert die Arbeitsplätze?

• Wer handelt in meinem Sinne?

Winfried S. nimmt wahr, dass viele langjährige Unternehmerkollegen, Freunde und Vertraute in der Zwischenzeit zum Teil aus gesundeitlichen Gründen mit erheblichen Einschränkungen leben müssen. Stets motiviert, widmet er sich dem Thema der Nachfolge durch das Lesen von Fachartikeln in Informationsblättern der Kammer, der Banken sowie Industrie-/Handwerksverbänden. Er besucht Vorträge zum Thema Unternehmernachfolge und ist sich dessen bewusst, dass er handeln sollte. Allerdings wird das Handeln schnell ersetzt durch den Modus des Aufschiebens und Ausblendens, wie er sagt.

 

Was ist der "bremsende" Faktor, warum Unternehmer dieses entscheidende Thema verdrängen?

Der Senior wird durch das engagierte Erledigen seines Tagesgeschäfts von der neuen strategischen Aufgabe zur Sicherung des Fortbestandes des Betriebes stets abgelenkt. Damit lässt er die eigene Zukunft und die seines Unternehmens außer Acht. Er plant die Zukunft nicht durch frühzeitiges Handeln.

Ein Großteil seiner Annerkennung und Bestätigung zieht Winfried S. aus seinem langjährigen unternehmerischen Handeln. Diese Kraftquelle aufzugeben fällt schwer, insbesondere wenn keine gesundheitlichen oder familiären Gründe zu einer Unternehmensabgabe Anlass geben.

Mit einer (Lebens-)Veränderung setzen sich Menschen nur schwer auseinander, es sei denn, der Handlungsdruck ist hoch genug. Zusätzlich nimmt mit steigendem Lebensalter die Veränderungsbereitschaft ab.

 

Arbeiten bis zum letzten Atemzug

„Ja, ich sollte gehen, wenn es am schönsten ist“, sagt Bettina von D., geschäftsführende Gesellschafterin einer gut etablierten Werbeagentur im Westen der Republik. „Aber ich kann ja nicht gehen, weil meine Kinder das Geschäft alle nicht übernehmen wollen.“ Den Betrieb einfach so zu schließen, empfinde sie als eine persönliche (unternehmerische) Niederlage.

Deshalb sperrt sich Frau von D. die Einleitung der Firmenübergabe, obwohl sich ihr privater Lebensraum aufgrund einer neuen Lebensgemeinschaft zusehens in eine norddeutsche Großstadt verlagert hat. Ist die Prognose von Frau von D. wirklich sinnvoll, „dann halt bis zum Umfallen arbeiten.“

Stopp! Welche praktischen Optionen bieten sich dem Unternehmer in den besten Jahren? Mit einer professionellen Begleitung durch einen unabhängigen Berater - einen Sparringpartner - eröffnet sich dem Senior die Möglichkeit auf eine nüchterne Bestandausfnahme des eigenen Status Quo. Empathisch nah und doch mit der gebotenen Distanz begleitet dieser Coach den Prozess der Unternehmernachfolgeplanung.

 

Das Wohl des Unternehmers und des Unternehmens in die Hand nehmen

Hierbei wird die „Seele des Geschäftes“, der Inhaber selbst, durch gezieltes Befragen und Hinführen zu seinen Gedanken in den Mittelpunkt gestellt. Zum Beispiel werden folgende Fragen gestellt: „Wie lange will ich noch aktiv im Arbeitsprozess stehen?“, „Welche Sinn stiftenden Aktivitäten stellen sich mir am Tag eins nach dem Betriebsübergang?“ usw.. Sobald diese Fragen vom Senior entscheidungsstark und ambitioniert beantwortet sind, können sich die weiteren Planungsschritte für eine erfolgreiche Firmennachfolge anschließen. Er ist gut beraten, wenn ein professioneller Unternehmensberater zusammen mit dem vertrauten Wirtschafts-/Steuerberater ihn dabei begleiten.

Die Unternehmernachfolge nimmt einen ähnlich spannenden Raum wie die ursprüngliche Gründung der Firma ein.

Der Senior ist gut beraten, diesen Schritt in eine neue Lebensphase für sein Unternehmen und sich selbst an der Seite talentierter, engagierter Berater zu gehen, damit Ende und Neuanfang erfolgreich geplant und vollzogen werden können.

Falls bei bester Gesundheit, nach wie vor tatendurstig und hoch motiviert, der Senior seine eigene Nachfolge in die Hand nimmt, dient dies in erster Linie dem Wohle des Unternehmers und seines familiären Umfelds, aber natürlich auch dem Unternehmen selbst. Schließlich liegt sein „Lebenswerk“ dem Firmenlenker sicherlich weit über seine aktive Tätigkeit hinaus am Herzen.

 

Bernd Friedrich

Augsut 2017

 

 

Der eine wartet bis die Zeit sich wandelt,
der andere packt sie an und handelt.
                                           Dante AlighieriZitat

Aktuell

  • Winfried, wie regelst Du Deine Nachfolge im Betrieb?

    Es ist eins der großen Wirtschaftsthemen unserer Zeit - ganz besonders im Mittelstand: Unternehmen haben unter anderem wegen des nicht Loslassens der Firmeninhaber keine Zukunft. Das Lebenswerk des Firmenlenkers wird Stück für Stück abgebaut oder kurzfristig durch das Ableben des Inhabers geschlossen.

  • Irgendwann heißt es Abschied nehmen

    Unter der Beteiligung des Experten Bernd Friedrich in der Sendereihe Menschen hautnah zeigte der WDR am Donnerstag, den 09.02.2017, 22.40 Uhr - 23.25 Uhr die Dokumentation "Rainer sucht ein Nachfolger - Wenn ein Familienbetrieb verkauft werden muß".

  • Unternehmensübergabe in Familienunternehmen

    Höchste Relevanz angesichts der Generationenwende

    Rund 135.000 Familienunternehmen brauchen bis 2018 (gerechnet seit 2014) einen neuen Chef; nur 12 Prozent schaffen die Weitergabe des Unternehmens bis in die dritte Generation, sogar nur ein Prozent bis in die fünfte Generation hinein.