Das Thema hat die Corporate Blog-Redaktion der Taifun Software AG überzeugt: Wenn der Nachfolger den Betrieb übernommen hat, ist es zwingend notwenig, dass er/sie ihn weiterentwickeln muß. Damit der Nachunternehmer die Wahrscheinlichkeit seines Scheiterns minimiert, muß er die Risiken im Unternehmen sorgfälltig im Vorfeld prüfen und kluge Ansätze verfolgen. Welche Gefahren lauern nach der Übernahme eines Betriebes? Dieser Blogbeitrag geht tief in die Tücken und Fallstricke im Zuge einer Nachfolge hinein.

Der Unternehmenberater Bernd Friedrich, Experte für Unternehmernnachfolge und Thomas Koppenhagen, Experte für Controlling, Finanzmanagement, Internationalisierung, Restrukturierung sowie Unternehmernachfolge für KMU´s, sind für die Blog-Redaktion der Taifun AG in den Dialog gegangen. Zum Dialog hier klicken.

Die Durchführung einer Due Dillegence muss auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Hierzu hat der Rechtsanwalt Klaus Weskamp in seinem Blog-Beitrag seine Gedanken mit Lösungsansätzen dargelegt. Zum Beitrag hier klicken.

 

© Bernd Friedrich und Thomas Koppenhagen Mai 2020

Hochschulabsolventen stellen sich spätestens mit ihrem Abschluss die Frage, was kommt danach? Neben dem klassischen Einstieg in die Erwerbstätigkeit als Angestellter kommt dafür immer häufiger die Gründung eines Unternehmens in Betracht (Start-Up). Übersehen wird in diesem Zusammenhang jedoch oft eine weitere sehr gute Option – Die Unternehmernachfolge. Der dargestellte Ansatz soll sowohl den Hochschulabsolventen als auch den Unternehmesabgeber sensibilisieren und inspirieren.

Absolventen sind bereits Unternehmer

Studierende zeigen schon während ihres Studiums unternehmerische Eigenschaften. Spätestens im Rahmen der Abschlussarbeiten werden oft bereits innovative Verfahren, Produkte oder Dienstleistungen entwickelt, die eine Grundlage für eine Unternehmensgründung (Start-Up) mit einem hohen Wachstumspotential darstellen. Dennoch zeigen die Zahlen, dass nur ein sehr kleiner Teil dieser Gründungen langfristig existiert. Grund dafür ist in der Regel vor allem mangelndes Vertrauen bzw. eine zu niedrige Kapitalausstattung, die die Dauer einer Weiterentwicklung der Innovationen bis zur Marktreife und/oder die Dauer zur Erzielung des notwendigen Bekanntheitsgrads in die Innovationen nicht hinreichend berücksichtigen. Zudem fehlt es an der Erkenntnis, dass Gründer auch während dieses Zeitraums von dem betriebswirtschaftlichen Überschuss angemessen „leben“ müssen. Je nach Produkt, Dienstleistung und Branche, kann diese sogar länger als drei bis fünf Jahre dauern.

Etablierten Unternehmen fehlen geeignete Nachfolger

Die Wenigsten werden als geeignete Fach- und Führungskräfte geboren. Die Entwicklung einschlägiger Eigenschaften durch das Bildungssystem ist in den vergangenen Jahren besser, aber bei weitem noch nicht hinreichend vorgenommen worden. Auch dies ist ein Grund für das unzulängliche Vertrauen in den Erfolg von Innovationen im Zeitalter zunehmender „Baselkriterien“. Die Folge: Inhaber von nachhaltig erfolgreichen Klein- und Mittelbetrieben (KMU) finden keine Nachfolger für ihre Betriebe, da auch eine familieninterne Nachfolgelösung immer seltener in Betracht kommt.

Etablierte KMU zeichnen sich jedoch oft durch eine sehr hohe Innovationskraft, Flexibilität sowie „vernünftiges“ bzw. nachhaltiges Wirtschaften aus. Einige dieser Unternehmen haben es sogar bis zum „Hidden Champion“ geschafft. Aufgrund fehlender Nachfolger müssen solche Betriebe dennoch zum Teil liquidiert oder sogar im Rahmen einer Insolvenz abgewickelt werden. Beides führt zur Vernichtung von Arbeitsplätzen in dem für den Standort Deutschland vor allem wegen der gelebten Nachhaltigkeit systemrelevanten Mittelstand. Dies möchten die Unternehmensinhaber schon aufgrund gelebter Verantwortung mit regionalem Bezug in der Regel vermeiden.

Lösungsansatz: Start-up-Gründer übernimmt ein etabliertes Unternehmen

Ein möglicher Ansatz zur Lösung der geschilderten Situation stellt die Übernahme von KMU durch Start-Up-Gründer dar. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Start-Up-Geschäftsidee ausgereift ist und eine strategische Ergänzung/Weiterentwicklung des Geschäftsmodells des zu übernehmenden Betriebes darstellen kann (spin-off). Mit einer solchen geplanten Übernahme zu einem angemessenen Preis kann der Start-Up-Gründer seine Ideen in die Marktumsetzung bringen und gleichzeitig mit den „bestehenden“ Kundenumsätzen (Grundumsatz) des KMU weitere Erträge erzielen.

Chancen und Risiken

Diese Art der Unternehmernachfolge ermöglicht dem Gründer einen risikominimierteren Fortgang seiner Start-Up-Idee. Gleichzeitig wird der übernommene KMU strategisch weiterentwickelt und hat dadurch eine bessere Chance auf eine erfolgreiche Zukunft. Die größten Unwägbarkeiten liegen dabei in den menschlichen Befindlichkeiten und Grundwerten. Im Idealfall treffen zwei Unternehmer-Charaktere (Alpha-Tierchen) aufeinander, die nur dann gute Lösungen finden können, wenn sie sich vertrauensvoll begegnen.

Zusammenfassung

Die Aufnahme einer Start-Up-Unternehmerschaft in Verbindung mit einer Nachfolgeregelung stellt eine sehr gute Chance auf einen für die Beteiligten erheblichen Mehrwert dar. Falls sich die Protagonisten gut verstehen und gemeinsam das Vorhaben wollen, werden stets gute Lösungen gefunden.

Im Ergebnis kann sich der Gründer mit seiner Geschäftsidee verwirklichen und das unternehmerische Risiko einer Neugründung minimieren. Der Altinhaber erlebt eine erfolgreiche Weiterführung seines Lebenswerkes und erfährt in der Regel auch von den Mitarbeitern eine hohe Anerkennung durch sein Bemühen zum Erhalt der Arbeitsplätze. Ein gelungenes Beispiel finden Sie unter diesem Link.

© Bernd Friedrich Februar 2020

Niemand ist unersetzlich, auch nicht der Chef

Vielleicht ist die Übergabe des eigenen Betriebs an die nächste Generation der emotionalste Moment im Leben eines Unternehmers. Nicht ohne Grund hat es STARCLUB-Referent und Unternehmensberater Bernd Friedrich immer wieder mit Inhabern zu tun, die nicht loslassen können – obwohl die Zeit dazu eigentlich längst gekommen wäre.

Artikel in dem Buderus-Starclub Journal vom 07.11.2019.

Viel Freude beim Lesen des Artikels: Nachfolge 2019.